Salatfresser

Salatfresser - seit meinem letzten Urlaub auf Mallorca sind sie ein Begriff für mich. Salatfresser - das sind nicht etwa irgendwelche possierlichen Viecher, die sich von Pflanzen ernähren - oh nein! Salatfresser sind mitten unter uns. Ob auf der Arbeit, im Restaurant oder auf der Straße. Und mit einem etwas geübten Auge kann man sie sofort aus der breiten Masse hervorstechen sehen.

Besonders bemerkenswert an ihnen ist ihre Art zu essen (was sich auch an ihrem Namen unschwer erkennen lässt). Während jemand wie ich sich eine Pizza mit extra viel Käse und Salami und Schinken und Pilzen und Oliven und Zwiebeln und noch so einigem anderen bestellt, picken die zumeist weiblichen Salatfresser an hübsch angerichtetem Grünzeug herum. Ein Gäbelchen Gurkensalat, ein kleines Tomätchen - huch, was leben wir gesund! Sollte versehentlich auch ein Stückchen Kochschinken in den Salat geraten sein, wird dieses natürlich aussortiert: "Nein danke, für mich bitte kein Fleisch". Während ich meine Pizza verspeist habe und nun anfange, an einen Nachtisch zu denken, sind die Salatfresser immer noch voll mit ihren Karottenstreifchen beschäftigt, die sie langsam (äußerst langsam), bedächtig (sehr bedächtig) und mit dem triumphalen Gedanken "Jetzt werde ich dünn" in ihre gespitzten Münder schieben. Meine Fanta ist inzwischen auch schon lange geleert, während das reine Quellwasser der Salatfresser noch ewig zu halten scheint.

Aber Salatfresser haben auch andere Eigenarten, an denen man sie sofort erkennen kann. Sprechen Sie zum Beispiel das Thema Pferde an! Werden Sie daraufhin gelangweilt angeguckt und gefragt "Was soll der Unsinn?", können Sie davon ausgehen, dass es sich höchstwahrscheinlich nicht um einen Salatfresser handelt. Wird das Gegenüber aber sofort Feuer und Flamme, berichtet von den Heldentaten des eigenen Pferdes und kann gar nicht genug davon bekommen, von Heu und Stroh, von Galopp und Trab zu erzählen, dann haben Sie erstens ein Problem und zweitens einen Salatfresser enttarnt.

Wellness - ein wichtiges Stichwort, wenn es um Salatfresser gehen. Hin und wieder gönnt sich der Salatfresser bzw. die Salatfresserin nämlich auch einen Beauty- und Wellness-Tag. Da wird sich dann grüne Algenpaste ins Salatfressergesicht geschmiert, die Hände werden manikürt, die Füße pedikürt, und das Ganze mit einem verbissenen Gesichtsausdruck und der Einstellung "Jetzt tue ich mir etwas Gutes". Dass Salatfresser an solchen Tagen (und auch an "normalen" Tagen) gerne auf die Sonnenbank gehen und danach häufig aussehen wie Winnetou persönlich, versteht sich von selbst. Natürlich darf auch die sportliche Betätigung an einem solchen Beauty-Tag nicht fehlen. Deshalb werden die Nordic-Walking-Stöcke aus dem Schrank geholt und mit sichtlicher Genugtuung werden - gemeinsam mit der besten Freundin - alle Jogger, Radfahrer oder Spaziergänger, die den gleichen Weg benutzen möchten, in ihre Schranken gewiesen. Man ist schließlich gerade dabei, etwas für seine Gesundheit zu tun - da sollen die anderen gefälligst in den Graben springen.

Bedauerlicherweise sind meine Erkenntnisse zu diesem Thema noch nicht ausgereift, aber ich werde meine Forschungen selbstverständlich fortsetzen, um auch Nicht-Salatfressern die Eigenarten und Besonderheiten dieser nahezu unergründeten Spezies näher bringen zu können. Allen Salatfressern hingegen möchte ich sagen, dass ich in meinen Überlegungen weder die Intelligenz noch die persönlichen Qualitäten berücksichtigt habe - es muss sich also niemand persönlich angegiftet vorkommen. Ich bin ja froh, dass es euch gibt. Worüber sollte ich mich denn sonst aufregen?


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